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Die B474n aktuell

M. Dewender             bis 2013
J. Haase        Stand 25.01.2017

Der erste Versuch

Der erste Versuch

Die Planungen zur B474n begannen in der 60er Jahren. Die geplante Nordwanderung des Bergbaus sollte mit dem entsprechenden Straßenbau begleitet werden. Das Thema hat sich dann von selbst erledigt.

1990 wurde eine neue Planung durch das Landesstraßenbauamt Bochum angegangen. Im Jahr 1991 erfolgte durch das Land NW ein Planfeststellungsbeschluss. Es war eine vierspurige Umgehungsstraße für Waltrop projektiert, die ihre Verlängerung in einer Westumgehung für Olfen finden sollte. Vorbereitungen für den Bau wurden getroffen. So kaufte das Land bereits einige Grundstücke in Oberwiese, ließ ein Haus an der Recklinghäuser Straße abreißen und errichtete im Norden Waltrops zwei Widerlager für die Kanalüberquerung.  

Doch es gab auch großen Widerstand. Eine Aktionsgemeinschaft B474n wurde gegründet. Dieser Teil der B474n-Geschichte ist  hervorragend dokumentiert und im Internet zu finden unter www.B474n.de. Die Planungen des ersten und zweiten Abschnittes wurden beklagt. Das OVG Münster entschied am 29. Januar 1994, der Bau der Straße sei nicht rechtmäßig. Alle Arbeiten mussten sofort eingestellt werden. In der gleichen Woche sollte die Brücke über den Datteln-Hamm-Kanal montiert werden, alle Vorbereitung waren bereits getroffen. Die Brückenteile lagern seitdem auf dem Endstück der A 45 im Autobahnkreuz oberhalb der A2  im Mittelstreifen und werden von der Natur eingenommen. Den Text des Urteils finden Sie unter www.b474n.de/archiv/sueden/ovg.html.

 

Der zweite Versuch

Der zweite Versuch

Bereits 1996 begann man erneut mit der Planung der B474n. Die vom OVG abgelehnte Trasse sollte unter allen Umständen vermieden werden. So entstand eine vierspurige Verlängerung der A 45 nach Norden, die sehr dicht an der Wohnbebauung im Waltroper Westen vorbeiführen sollte. Im Sommer des Jahres 2000 suchte BMW einen geeigneten Standort für ein neues Werk. So kamen die Rieselfelder wieder ins Gespräch. Ein solches Werk würde zusätzlichen Verkehr in die Region bringen, also musste eine entsprechende Straße her, der Bedarf war somit gerechtfertigt.

Am 6. September 2000 wurde die neue Planung als Variante 3.1  (V 3.1) den Bürgermeistern in Bochum vorgestellt. Da man bei der Trassenplanung alte Pläne benutzte, in denen das Baugebiet  „Im Hangel“ noch nicht vollständig bebaut war (dies ist immerhin seit 1993 der Fall!!!) und auch die Erweiterung des Baugebietes inklusive des neuen Kindergartens fehlte, musste die Planung korrigiert werden. Die Straße wurde nun im Norden Waltrops um 250 Meter nach Westen verlegt. Diese Korrektur war planungstechnisch dringend notwendig, da der geforderte Mindestabstand zur Wohnbebauung nicht eingehalten wurde. So entstand die Variante 3.1 neu (V3.1n). Sie wird heute leider noch immer als Entgegenkommen der Planer an die Wünsche der Stadt Waltrop herausgestellt.

Die Reaktion auf die Variante 3.1 war heftig. Sogar die CDU-Fraktion als Befürworter der Straße sprach von einer „Unglücksvariante“. Der Waltoper Aufbruch, die SPD sowie die GLW lehnten die Planungen rigoros ab. Erheblichen Protest gab es aus der Landwirtschaft. Die Bürgermeister von Waltrop und Datteln versuchten, Veränderungen durchzusetzen  und konstruierten eine Trasse, die sich an die Löhringhofstraße anlehnte, also weiter westlich verlief. Dabei sollte auch eine Zufahrt zu dem Dattelner Emscher-Lippe-Gelände geschaffen werden (daher die  Dattelner Interessen). Überdies sollten die alten Brückenpfeiler am Kanal Verwendung finden. Diese „Bürgermeistertrasse“  (V Bm) fand bei den Planern jedoch keine Gnade, rückte sie doch bedrohlich nah an den Bereich der alten, vom OVG 1994 abgeschmetterten Planung heran.

Die offizielle Vorstellung der Pläne erfolgte am 5. März 2001 in Waltrop und am 26. März 2001 in Datteln. Die Stimmung in der Waltroper Stadthalle war mehrheitlich gegen die neue Straße. Es war nun Zeit zu handeln. Bürgerinitiativen, Siedlergemeinschaften, Landwirte und einige Parteien in Waltrop rückten zusammen und gründeten dann im Juni 2001 den Verein „Pro Waltrop e.V.“ (siehe „Wir über uns“). Schließlich war auch die CDU der Meinung, eine solche Planung sei nicht akzeptabel und stellte einen Katalog von 8 Punkten zusammen, die bei der Planung der Straße dringend einer Veränderung bedurften.

Am 21. August 2001 stellten die Bochumer Planer die leicht überarbeiteten Pläne dem
zuständigen Ausschuss bei der Stadt Waltrop vor. Die Straßenführung der Nebenstrecken im  Bereich der Münsterstraße erfuhr leichte Korrekturen. Außerdem waren nun Böschungen in die Pläne eingezeichnet. Die CDU-Fraktion fand bei dieser Sitzung mit keinem einzigen ihrer 8 Änderungswünsche Gehör. Zusätzlich erboste die Politiker das arrogante Auftreten der Planer. Abschließend stellte die CDU fest: „Die Schwelle des Zumutbaren ist überschritten. Wir werden gegen diese Planung ankämpfen!“ Der Applaus war groß, denn dieser Meinung konnten sich alle Fraktionen und die anwesenden Bürger anschließen. Die Stimmung bei den Waltroper Politikern ist ebenso klar: die Variante 3.1n der B474n kann nicht akzeptiert werden!

Im Dezember vollzog sich bei der CDU ein merkwürdiger Sinneswandel. Nach einer sonntäglichen Klausurtagung wurde die Wende propagiert: die Stadt Waltrop sei auf das Wohlwollen der Aufsichtsbehörde angewiesen, die Blockadehaltung solle aufgegeben werden.

Im Sommer 2005 wurde dann eine „Gemeinsame Erklärung zum geplanten Neubau der B 474n, Ortsumgehungen Datteln und Waltrop“ veröffentlicht, in der Eckpunkte des künftigen Trassenverlaufs der B 474n genannt wurden.

Dieses Papier wurde unterzeichnet vom Minister für Verkehr, Energie und Landesplanung des Landes NRW, dem Landrat des Kreises Recklinghausen, der Bürgermeisterin von Waltrop und dem Bürgermeister von Datteln. Sie nahmen zum Teil den Verlauf der sog. Bürgermeistertrasse wieder auf. Wichtig Änderung war der längere Verlauf der Straße auf der jetzigen Löringhofstraße, da so das neue E.ON-Kraftwerk Datteln 4 besser angebunden werden konnte. Diese Planung ist heute noch der letzte Stand der Dinge und wird Grundlage für das kommende Planfeststellungsverfahren sein.


Die Bürgerbefragung

Die Bürgerbefragung

Um die Stimmung der Bevölkerung zu erfahren und wohl auch um weitere politische Entscheidungen legitimieren zu können, wurde vom 10. bis zum 21. April 2008 in Waltrop eine Befragung der Bürgerinnen und Bürger zum Bau der B 474n durchgeführt. Damit erfüllte die Bürgermeisterin Anne Heck-Guthe auch ein Versprechen aus dem Wahlkampf, sie würde zu diesem Thema ein Votum der Bürger einholen.

Der Wahlkampf wurde sehr emotional geführt. Ziel von Pro Waltrop e.V. war es, vor allem die neue Trasse und deren Aussehen in der Landschaft zu visualisieren. Dies geschah durch Fotomontagen und vor allem durch einen sehr guten Videoclip.

Die Wahlbeteiligung von 57 Prozent erntet Beifall aus allen Lagern. Mehr als drei Viertel haben ihr Kreuzchen bei "Ja" gemacht. Eine deutliche Mehrheit der zur Wahl gegangenen Bevölkerung wollte, dass die B474n auf der geplanten Trasse kommt. Bei genauer Nachrechnung stellt man fest, dass es sich etwa um 45% der Wahlberechtigen, also nicht der Gesamtbevölkerung, handelt. Dies ist nicht die Mehrheit der Bevölkerung. Aber dies ist gelebte Demokratie. Mit-Entscheiden können halt nur die, die wählen gehen.

Unklar ist, wie lange ein derartiges Abstimmungsergebnis eine Rechtfertigung für Politiker darstellen kann, um für den Bau der B 474n zu stimmen: 7 Jahre, 15 Jahre, 30 Jahre lang?

Dass damit auch die Grundlage für den Bau des newPark, also für die Zerstörung der Rieselfelder gelegt wird, ist klar. Dies wird aber leider nicht von allen politisch Verantwortlichen so gesehen. So schreiben sich heute Lokalpolitiker auf die Fahne, die Verlegung der Straße nach Westen, also weg von den Siedlungsbereichen, bewirkt zu haben. Aber nicht jeder dieser Politiker ist für die Weiterverfolgung des newPark.

 

Fortschritte / Änderungen seit der Bürgerbefragung 2008

Fortschritte / Änderungen seit der Bürgerbefragung 2008

Was ist in der Zwischenzeit seit der Bürgerbefragung (2008) in Waltrop zur B 474n bis heute – September 2016 – geschehen?

Mitte Oktober 2012 hat die Bezirksregierung Münster mit einer förmlichen Anfrage die Städte Datteln und Waltrop in die Lage versetzt, die absolute Vorrangigkeit der B 474n für den Bundesverkehrswegeplan 2015 anzumelden. Zur Verwunderung beider Bürgermeister war das bis dahin noch nicht geschehen, obwohl Dattelns Bürgermeister Werner damals vehement die Werbetrommel für den newPark (hierfür ist die B 474n unabdingbar) rührte und Waltrops Bürger sich in der o.g. Bürgerbefragung für die Straße als Ortsumgehung ausgesprochen hatten.

Als Anfang 2013 das OVG in Münster die drei Klagen (zwei Privatleute und der BUND) gegen den Bauabschnitt „Dattelner Stummel“ (dieser Straßenteil führt von der Münsterstraße in Waltrop auf die B235 hinter dem Ortsausgang Datteln) abwies Das OVG-Urteil ist hier, wurde in der örtlichen Presse frohlockt: „ Im nächsten Jahr rollen die Bagger an der B 474n“. Doch der BUND erwirkte eine Überprüfung dieses Urteils durch das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig. Der BUND bemängelte, dass ihre Argumente bewusst ausgeklammert und offenkundig falsche Verkehrsprognosen zu Grunde gelegt wurden. Im Januar wurde in Leipzig den Einwänden des BUNDs stattgegeben und das OVG Urteil von 2013 aufgehoben. Das OVG Münster muss nun erneut diskutieren und entscheiden.

Der Landesbetrieb Straßen.NRW erklärte Ende 2013, dass die Planungen z. Zt. an dem Waltroper Teil der B 474n wegen Arbeitsüberlastung nicht weiter geführt worden wären und wohl erst Ende 2014 wieder aufgenommen werden könnten. Unverständnis hierüber konnte man in zahlreichen Leserbriefe nachlesen: die Bürger in Datteln an der B 235 und in Waltrop an der Leveringhäuser Straße seien die Leidtragenden.

Von der CDU (Herr Hegemnann, Kreistag-Fraktionsvorsitzender) wurde behauptete, dass die Straße auch ohne Zustimmung der Stadt Castrop-Rauxel, die einen Verlauf der Straße über Castroper Gebiet ablehnt, realisiert werden kann. Dem hielt die SPD (Herr Schwabe, Kreisvorsitzender) entgegen, dass ein CDU Bürgermeister eine vom Bund/Land geplante Straße auch nicht stärker beschleunigen könne als ein SPD Bürgermeister.

Rechtzeitig vor und kurz nach der Kommunal- und Bürgermeisterwahl (Mai/Juni 2014) erinnerten sich betroffene Bürger und Kommunalpolitiker wieder an das Thema B 474n und brachten die alt bekannten Argumente (Lärm, - und Gestankbelästigung, Zeit- und Geldverschwendung durch Stau) zur Sprache. Die Kommunalpolitiker warfen sich gegenseitig vor, in der Vergangenheit untätig gewesen zu sein, um bei der Wahl Punkte zu sammeln.

Die Kommunalwahl brachte 2014 Frau Nicole Moenikes (CDU) ins Waltroper Bürgermeisteramt. Sie wollte sich für eine Umgehungsstraße einsetzen. Dazu nahm sie u.a. Kontakt zum Vorsitzenden des Ausschusses für Verkehr und digitale Infrastruktur im Bundestag, Herrn Burkert (SPD) auf.

Im Januar 2015 stellte der Landesbetrieb Straßen NRW (Planungsbehörde der B 474n) im Waltroper Verkehrsausschuss den derzeitigen Planungsstand und die Realisierungsaussichten dar. Danach könnte Mitte 2015 ein Planfeststellungsverfahren eröffnet werden, das dann 2-3 Jahre dauern würde. Nach Ablauf der zu erwartenden Klagen wäre ca. 2020 ein Baubeginn möglich. Einen optimistischen Ablauf vorausgesetzt könnte dann ca. 2023 die Straße befahrbar sein. Die der Straßenplanung zugrunde liegenden Verkehrserwartung berücksichtig nach Straßen NRW auch den Verkehr eines betriebenen newParks. Das bedeutet jedoch, wenn der newPark nicht kommen sollte, dann fehlt der geplanten B 474n die notwendige Verkehrsbelastung, auch sie wäre dann für den Bund / das Land NRW überflüssig. (siehe auch Folgebeitrag – Problematik newPark-Planung).

Wie oben schon beschrieben wird die Realisierung eines Teilstücks der B 474n (Dattelner Stummel) derzeit beklagt. Im Januar 2015 ging Straßen NRW davon aus, dass das Thema mit dem OVG Münster im ersten Halbjahr 2015 besprochen wird und hoffte, dass bis Ende 2015 eine positive, rechtsgültige Bauentscheidung vorliegen wird. Auf Nachfrage der NRW-Landesregierung im Februar 2016 gab das OVG die Auskunft, dass in 2016 eine Aussage kommen werde. Bis September 2016 ist vom OVG Münster noch keine neue Entscheidung erfolgt.

Nur für diesen Bauabschnitt werden Kosten von ca. 23 Mio € (wie viel werden es in Wirklichkeit?) und eine Bauzeit von ca. 3 Jahren geschätzt.

Vor 39 Jahren (Verkehrsminister Otto Graf Lambsdorff) begann die Trassenplanung der B 474. Durch den heutigen Verkehrsminister Dobrindt wurde im März 2016 diese Straße mit höchster Priorität und 100 Mio€ (ca. 10 Jahre alte Kostenschätzung) in den Bundesverkehrswegeplan übernommen. Falls die Straße wirklich in den 2020iger Jahren gebaut werden sollte, kann man getrost davon ausgehen, dass sich die tatsächlichen Baukosten auf 200 Mio€ belaufen werden.

In der Waltroper Zeitung vom 26.3.2016 wird diese Vordinglichkeitseinstufung ironisch belächelt: „Das geht ja flott – Kaum sind ein paar Jahrzehnte ins Land gegangen und nicht einmal 8 Jahre nach der Bürgerbefragung steht die B 474n schon als „vordinglich“ im Bundesverkehrswegeplan. ...“. Wir von Pro Waltrop widersprechen allerdings der sich anschließenden Schlussfolgerung „Besser spät als nie, wird wohl mancher Anwohner der Leveringhäuser Straße sagen“, denn mit kurzfristig zu realisierenden Maßnahmen (verbesserte Ampelschaltungen, Kreisverkehre, bauliche Schallschutzmaßnahmen hätte man die Belastungen der Anwohner der Leveringhäuser Straße schon vor Jahren mit deutlich weniger Geld mindern können. Wir sind der Meinung: „Ein Spatz in der Hand ist besser als eine Taube auf dem Dach“.

Da diese Maßnahmen jedoch von der Stadt Waltrop selber bezahlt werden müssten und dann die Diskussion eintreten würde, was wichtiger ist: Straßensanierung, Stilllegung von Bädern, Innenstadtsanierung oder ein Lärmschutz für Leveringhäuser Straßen-Anwohner treten die Waltroper Kommunalpolitiker lieber für dem Bau der B 474n ein, die dann mit ca. 200 Mio€ (?) nach Aussagen der Straßen NRW-Planer nur ca. 15% Verkehrsentlastung für die Anwohner der Leverinhäuser Straße bringt und komplett vom Bund bezahlt wird.

Dass es sich damit auch um eine Verkehrsverlagerung auf andere Waltroper Straßenzüge (u.a. z.B. Berliner Strasse) handelt und somit andere Waltroper Bürger u.U. dann mehr Verkehrsbelastung zu ertragen haben, ist kein Thema der Diskussion.

Im September 2016 wird dann von Straßen NRW das Planfeststellungsverfahren für den Waltroper Teil der B 474n eingeleitet, d.h. das Prozedere für Planerstellung und –auslegung (ab 7.11.2016 bis 6.12.2016), Öffentlichkeitsbeteiligung (Einwendungen sind bis 20.12.2016 möglich) und Anhörung wird in Gang gesetzt.

Bei den Kommentaren der Landes-, Kreis- und Kommunalpolitiker hierzu wird wieder deutlich, dass jeder eine andere Vorstellung hat, was diese geplante Straße erreichen soll:

  • den Landes- und Kreispolitikern ist wichtig, dass die Straße den newPark erschließt und dessen Verkehr aufnimmt, den es bisher jedoch noch nicht gibt, das entspräche:                     mehr Verkehr gegenüber heute
  • die Dattelner Kommunalpolitiker erwarten, dass die geplante B 474n die Dattelner Bürger von einen Teil des Verkehrs der B 235 entlastet, das entspräche:           diesen Verkehr den Waltroper Bürgern zuzumuten
  • die Waltroper Kommunalpolitiker (wie viele Waltroper Bürger auch, siehe Ergebnis Bürgerbefragung) vertrauen darauf, dass die Straße die örtliche Verkehrsbelastung mindert. Leider wird nicht einmal diskutiert, was man machen will, wenn diese Hoffnung (wie von den Straßenplanern Straßen NRW vorhergesagt) nicht eintritt, das bedeutet: solange ich nicht bezahlen muss unterstütze ich alles, was mir vielleicht etwas helfen könnte (volkswirtschaftlich unsinnig).

Obwohl mit dieser Eröffnung des Planfeststellungsverfahrens nur eine unverzichtbare Voraussetzung zur Straßenrealisierung eingeleitet wurde, werfen sich jetzt die Kreis- und Kommunalpolitiker sofort in der kommunalen Presse ins Zeug, um deutlich zu machen, wer, für welchen Anteil, seit wann zur Straßenrealisierung (noch Jahre entfernt) verantwortlich ist und wer sich den Erfolg auf die Fahnen schreiben kann.

Während dieser Einspruchsfrist informieren mehrere Organisationen über den beantragten (Planfeststellungsverfahren) Verlauf und die Ausführungsvorschläge der „Waltroper Orts-Umgehung“ mit der geplanten B 474n:

  • die Stadt Waltrop zusammen mit Straßen NRW als Befürworter der B 474n am 6.12.16.                                                        Der Waltroper Stadtrat beschließt mit 14 zu 11 Stimmen, dass der südliche B 474n Teil 4-streifig und nicht 3 streifig ausgeführt werden soll und – mit 15 zu 14 Stimmen, dass auf diesem Teilstück keine Geschwindigkeitsreduzierung von 100 km/h auf 70 km/h beantragt werden soll.
  • ProWaltrop als auch der Waltroper Aufbruch sowie die Waltroper Grünen bieten Hilfe bei der Formulierung von Einsprüchen an
  • Der Castroper Stadtrat hat seinen Ablehnungsbeschluss von 2008 gegen den geplanten B 474n Verlauf über Castroper Gebiet jetzt noch einmal bestätigt.
  • auch die Castroper Freie Wählerinitiative (FWI) ruft zu Einsprüchen gegen die geplante Straße auf und bietet Hilfe bei deren Formulierungen an

Zwei Tage nach Ende der Einspruchsfrist berichtet die Bezirksregierung MS, dass ca. 400 Einwendungen eingegangen seien.Falls der vorliegende Straßenplan-Entwurf im Wesentlichen unverändert von der Bezirksregierung MS festgestellt werden sollte - vermutlich Ende 2018 Anfang 2019 – sind dagegen schon jetzt zahlreiche Klagen sowohl von betroffenen Privatpersonen als auch Verbänden wie dem BUND angekündigt worden

 

Problematik B 474n Planung

Problematik der B 474n PLanung

Wie der Name ausdrückt, wird die B 474n als Bundesstraße geplant. Dafür ist der Bund / das Bundesland zuständig. Diese Behörden verfolgen mit der Straßenplanung überregionale Interessen. Dazu zählt sicher die Steuerung von überregionalen Verkehrsströmen u.U. aber auch der Anschluss von bedeutenden Industrieanlagen und –gebieten wzB. das E.ON Kohle-Großkraftwerk Datteln IV und der newPark.

Die örtlichen Anwohner und Kommunalpolitiker haben aber meist ein ganz anderes Interesse:

  • eine Ortsumgehung von Waltrop, um so die betroffenen Anwohner zu entlasten, wird von den Waltropern erwartet
  • eine Entlastung der B 235 im Ortsbereich Datteln sehen die Dattelner als vordringlich

Die Planungsbehörden argumentieren: die vorliegenden Verkehrszählungen (die neuen vom Sommer 2015 sollten bis Sommer 2016 in die Pläne eingearbeitet werden; ob das geschehen ist ???) belegen, dass die geplante Straße hierfür ungeeignet sei und nur zu einer unbedeutenden Verkehrs- und Lärmentlastung führen würde. Die betroffenen Anwohner dagegen glauben der Interpretation der Verkehrszählung nicht; befürworten die planerischen Zielsetzungen (überregionalen Verkehrsfluss und Industrieanschluss) allerdings auch nicht uneingeschränkt.

Wer kann es einer Planungsbehörde / dem Bund (Geldgeber) verdenken, dass er nicht oder nur oberflächlich an der Straße weiterplant, wenn die Realisierung seiner für die Straßenplanung notwendigen Zielsetzungen (E.ON und der newPark) immer unwahrscheinlicher wird.

Dieser Problematik trägt die Koalitionsvereinbarung von CDU, SPD und GRÜNEN in der 13. Verbandsversammlung des Regionalverbands Ruhr im Oktober 2014 Rechnung. Dort heißt es wörtlich: „... Verkehrliche Erschließung des newPark: Die verkehrliche Erschließung des newPark wird erst weiterfolgt, wenn eine endgültige Entscheidung zu seiner Realisierung gefallen ist. ...“.

Mit anderen Worten, die B 474n Straßenplanung wird nicht weiter verfolgt, so lange nicht über newPark entschieden ist und über newPark wird nicht entschieden, so lange nicht die Entscheidung für den Bau der B 474n gefallen ist.        

Dabei spielt es überhaupt keine Rolle, was die Dattelner und Waltroper Kommunalpolitiker vor bzw. nach der Kommunalwahl gesagt haben.

Das Wahljahr 2017 vor Augen und mit dem politischen Druck im Hintergrund wurde im Sommer 2016 das Planfeststellungverfahren zur ca. 8 km langen „Waltroper Ort-Umgehung“ eröffnet und die entsprechenden Unterlagen bis 20.12.2016 offengelegt, um Bürger, Kommunen und Verbänden Möglichkeiten für Einwendungen zu ermöglichen.

 

proWaltrop Meinung

ProWaltrop Meinung

  • wir halten zukünftig (20 - 30 Jahre Übergangsfrist) eine auf regenerativen Energiequellen basierende Energiepolitik für Deutschland und NRW umwelttechnisch und Arbeitsplatz-mäßig (Zukunft unserer Kinder) für richtig. D.h. das – inzwischen – ohne Genehmigung gebaute E.ON Kohlekraftwerk sollte nicht ans Netz gehen, da es die Energiewende (Erreichen von Klimaschutzzielen) zu erneuerbaren Energiequellen und die Hinwendung der deutschen Industrie zu neuen zukunftsträchtigen Techniken verzögern würde.
  • wir begrüßen die möglichst schnelle Reaktivierung der Brachflächen aus der Montan-Union Zeit, wie es die meisten Ruhrgebietsstädte und das Land NRW (und die EU) anstreben. (s.a. IAT [Institut Arbeit und Technik]-Diskussionsveranstaltung am 25.11.2013 in Gelsenkirchen). Hierfür sollten Gelder eingesetzt werden, anstatt sie im überdimensionierten und wirtschaftlich sehr riskanten (keine NRW Landesbürgschaft) newPark Projekt zu verschwenden.
  • damit ist die überregionale Funktion der geplante B 474n hinfällig und sie sollte nicht gebaut werden.

Die Planungen sollten nach fast 40 Jahren endlich eingestellt werden.

  

Es ist klar, die Realisierung einer B 474n muss von keiner Kommune finanziert werden, weder von Datteln noch von Waltrop.

In einer solchen Situation kann man leicht die Ausgabe von 100 – 200 Mio€ fordern. Diese würde ja der namenlose Steuerzahler bezahlen. Da spielt es auch keine Rolle, dass selbst die planende Behörde auf Grund der Verkehrszahlen sagt, die Straße brächte für die Leveringhäuserstraßen-Anwohner maximal 10-20 % weniger Verkehrsbelastung, zu wenig um spürbare Entlastung zu bringen. Jede fast sofort zu realisierende und ca. hundertfach preisgünstigere Maßnahme (w.z.B. eine neue verkehrsorientierte Ampelschaltung auf der Münsterstraße verbunden mit der Installation von Lärmschutzfenstern in betroffenen Wohnhäusern) ist von der Stadt Waltrop selber zu zahlen oder zu bezuschussen. Da aber kein Geld (oder der Wille?) dafür da ist, wird eine Maßnahme unterstützt, die vielleicht einmal in ca. 10 Jahren Realität werden könnte. Da werden die Straßenanwohner von der Politik und einem Herrn Pieper (Sprecher für die Anwohner der Leveringhäuser Straße ?) ganz schön an der Nase herumgeführt.

Wenn wir Bürger uns schon nicht zu weniger Autofahrten durchringen können, müssen wir darüber nachdenken, wie stark betroffene Straßenanwohner besser vor Verkehrsbelastung geschützt werden können. Hierfür mögliche Maßnahmen sind schneller und kostengünstiger realisierbar als der Bau einer neuen Straße.

Wir von ProWaltrop würden derartige Aktivitäten sofort unterstützen.